Montag, 08. April 2069 – gegen Feierabend
[ Episode 027 “Auswertung leicht gemacht” ]
Was ist das nur für ein herrlicher Arbeitsplatz, den er hier hat: Im eigenen Garten – in Dauerbereitschaft zwar und auf sich allein gestellt wohl – aber nichts los – so könnte es jeden Tag sein, denkt Knuud zufrieden und richtig glücklich!
Knuud genießt diesen besonderen Zustand auch, weil er folgendes weiß und sich diese Ruhe nach der letzten hopplahopp Woche auch redlich verdient hat, wie er findet:
Eine Alarmbereitschaft würde nur ausgelöst werden, wenn Tapcy sich plötzlich außerhalb der eigenen vier Wände bewegen würde. Diese Koordinaten hatten sie der Überwachung übergeben. Das B-Team insgesamt verstand das auch, warum das wichtig war: Um die aktuell noch geheime Testphase nicht aus versehen in die Öffentlichkeit zu zerren, was für alle ja nur zusätzlichen Stress bedeutet hätte. Darauf legte Ksavver höchsten Wert, sonst hätte er sein Haus kaum entspannt und mit gutem Gewissen verlassen können.
Alles andere an Meldungen oder Besonderheiten, solange diese im Haus stattfinden oder passieren, werden lediglich mit Logs und automatisch in Ksavvers täglicher Auswertung herausgefiltert und so sichtbar gemacht. Weil Tapcy ja sonst zu funktionieren scheint, war es jetzt wichtig, die Daten, Werte und Rückmeldungen aller Beteiligten aus dem Familienalltag zu bekommen.
Nur so könnte es gelingen, zügig in Richtung ‘alltagstauglichem Verkaufsschlager mit Haushaltsentlastung und Optimierung für alle’ voran zu kommen. Das sind die bereits angedeuteten Hintergründe aus Ksavvers Business-Sicht und -Vision.
Die anderen zwingend beteiligten Mitarbeiter – meist Entwickler, Techniker, Ingenieure aller Art und Programmierer, waren ja noch nicht so tief eingeweiht worden. Sie fanden auf jeden Fall den Prototypen technisch spannend und natürlich auch, was sich daraus künftig noch entwickeln würde. Ob sie jeweils selber und in ihrem persönlichen Familienleben so ein Teil ihr eigen nennen wollten, steht auf einer anderen Karte und hat ja nichts mit der Arbeit zu tun, oder?
Über die maschinelle ‘Schauspielkunst’, sich erstmal nur als vorsintflutlicher Roboter im Rahmen eines neuen Familienmitgliedes bei Ksavver, Kattlen und Luzzie ausgebend aufzutreten, sind alle im Dunkeln gelassen worden. Das ist allein eine Sache zwischen Tapcy und Ksavver. Was das wohl bedeutet?
Am Nachmittag, als Knuud gerade in der typischen April-Wetterlage mit ständigem Wechsel zwischen Wolken und Sonne auf seinem Lieblingsplatz ausruhend, vor sich hindöst, schreckt ihn die Hotline mit einem neuen Signal hoch. Dieses kann er sofort Tapcy zuschreiben, da er ihr das bewusst zugeordnet hat. Wenn möglich, liebt er es, sofort vom Klang her zu wissen, worauf er sich einstellen muss und woran er ist. Was da also auf ihn zukommt, wenn er gleich den Hörer am Ohr hat und mit seinem Spruch seine Hilfsbereitschaft meldet.
So ist er auch schnell nach dem ersten Erklingen dieses Klangs dran. Er nimmt also den Anruf zügig entgegen. Aber, gerade, als er sich mit seinem Namen meldet – noch vor seinem eigentlichen Spruch – ist der Anruf – plötzlich wieder weg!
Das kommt ihm sehr komisch vor. So dass er im Kopf die Logik der Einstellungen und Alarme nochmals durchgeht und zu dem Schluss kommt, dass genügend Puffer oder Reißleinen für Notfälle und Alarme eingebaut sind.
Sollte also etwas Ernstes vorgefallen sein, würde mit höchster Sicherheit ein erneuter Anruf bei ihm aufschlagen. Außerdem ist er tatsächlich nicht weit weg und wenn es sein muss, auch schnell drüben.
Nur für den Fall, dass irgendwas sein sollte.
Das beruhigt ihn und im nächsten Moment ist er auch schon eingeschlummert.
Was er im Schlummerland erlebt, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Vielleicht ist sein Erlebnis ja untermalt vom Sound des Windes, der durch die Blätter des Jumbograses, seinem grünen Zaun, weht. Denn das Reiben der rauhen Blätterkanten, vom Wind bewegt, erzeugt ein besonderes und entspannendes Rauschen.
Sicher ist dieses Rauschen auch in dem Moment beendet, als Knuuds Familie auf der Terrasse einschlägt. Alle auf einmal, mitten in sein Schlummerland einbrechend, das belebt schockartig und macht hellwach – definitiv!
Knuud war trotzdem glücklich, jetzt von seiner eigenen Familie und mit deren großem ‘Hallo Dad’ geweckt zu werden und nicht vom Klang eines Tapcy-Alarms. Ein schneller Blick auf das Zeiteisen und ein kurzes Lauschen in die Magengegend stimmen überein: Alle müssen hungrig sein!
Zusammen machen sie sich deshalb gleich daran, das Abendessen zu richten, welches sie dann doch lieber im Hausinnern zu sich nehmen wollen, da es schnell kühler werden würde, hier draußen im April.
Was ein gemeinsamer Abend noch in petto hätte, würden sie dann beim Essen ganz entspannt und in aller Ruhe zusammen ausloten. Das war ja auch abhängig davon, was jeder noch für den nächsten Tag persönlich für die Schule oder an Kursvorbereitungen – im Falle von Kaatje, noch vor sich und zu tun oder abzuarbeiten hat. Klar, wenn es die Zeit danach zulässt, würden sie sicher noch das eine oder andere Spiel gemeinsam in Angriff nehmen, bevor jeder in sein Bett verschwinden und dem zweiten Tag der neuen Aprilwoche entgegenschlafen müsste.
Als Ksavver aus dem Home-Office-Flur in den Ess- und Küchenbereich kommt, ist alles ruhig. Keine Menschen- oder Maschinenseele ist dort zu sehen oder zu hören. Kurz irritiert geht er den ganzen Ess- und Küchenbereich ab, und danach in den Wohnbereich ihres Bungalows. Im Wohnbereich endet der Bungalow auch mit einer breiten Fensterfront mit Schiebetüren zur Glasterrasse hin, über welche sie einen tollen und entspannenden Blick auf das frische Grün ihres Gartenschlauches haben.
Da ihr Grundstück insgesamt viel länger als breit oder tief ist. Was gut passt zu dem langezogenen Bungalow, der für die Eltern und das Office alles ebenerdig – aber etwas hochgestockt – bietet.
Für Luzzie findet sich im Obergeschoss genügend Platz zum Schlafen und Toben. Auch birgt die obere Etage einen separaten und für sich abgeschlossenen Bereich, in welchem eine Gästeunterbringung jederzeit problemlos – auch für länger – möglich ist.
Gibt es auch einen Keller?
Einen typischen und kühlen Keller gibt es auch für Vorräte und einen als Lagerraum für alles Mögliche, der auch von außen zugänglich ist. Auch der Haustechnikraum für Wasser, Heizung, Solarstrom mit Speicher und alles andere Elektrische, ist in einem eigenen Raum im Untergeschoss untergebracht. Wobei der Bungalow insgesamt ein komplettes Untergeschoss hat, das in weiten Teilen auch für Fitness, Sauna und einem kleinen Schwimmbad eingerichtet ist, um dort ungestört seine Bahnen drehen zu können. Ja, es ist rund angelegt!
Im Wohnbereich entdeckt er seine persönliche Damenwelt, die es sich auf den Sofas gemütlich gemacht hat, während Tapcy dort den Staubwedel über die wertvollen Oberflächen der wenigen, von Hand ausgewählten Möbelexponate streifen lässt.
“Hier seid ihr!”
sagt er wohlwollend zu ihrer Begrüßung. Während er sich auch auf eines der Sofas zu Luzzie dazusetzt, ergänzt er fragend:
“Genießt ihr das Nichtstun schon?”
“Hallo Ksavver, gut, dass du kommst, denn ich hätte da eine Frage bezüglich der ToDos unserer Haushaltshelferin.”
grüßt seine Frau Kattlen zurück, und Luzzie schließt sich dem an mit den Worten:
“Hey Paps, was geht, wie läuft die Auswertung?”
Ksavver lehnt sich noch gemütlicher zurück in die Couch und schaut einmal entspannt durch die Runde der versammelten Damen und Maschinen, als auch letztere ihn grüßend anspricht:
“Hal-lo Ksav-ver, ich hof-fe, dass al-les zu dei-ner Zu-frie-den-heit ge-lau-fen ist heu-te?”
Entgegen dem, was Ksavver auf seinem Monitor eben noch erblicken musste, bestätigt er Tapcy, dass er bisher sehr zufrieden sei mit ihrer praktischen Hilfe, es recht gut laufe inzwischen und dass er echt froh und glücklich ist, dass sie bei ihnen ist.
“Das freut mich zu hö-ren ksav-ver, ich bin hier GE-RA-DE fer-tig und ge-he ei-nen Raum wei-ter.”
ist Tapcys Rückmeldung dazu und kaum ist sie dann aus dem Wohnbereich verschwunden, setzt Kattlen mit ihrer Frage zu deren ToDos an:
“Wie dir ein Blick durch unsere Fenster sicher schnell zeigt, wären diese dringend zu reinigen. Überhaupt würde ein Frühjahrsputz aus meiner Sicht ganz oben auf der Liste aller ToDos für eine Haushaltshilfe im Monat April stehen. Da du das aber nicht in deinen Angaben zu ihren bisher erlernten Fähigkeiten erwähnt hast, würde mich interessieren, ob ich selber da noch Hand anlegen …
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