Dienstag, 09. April 2069 – beim Abendbrot

[ Episode 032 “Tierisch spannend” ]

Wieder ist es Neelsi, die Jüngste der Familie von Knuud, die das Thema beim Abendbrot in eine bestimmte Richtung lenkt. Sie bringt Interessantes aus ihrem Schulalltag in die Runde der Hungrigen ein und hat alle plötzlich mit im Boot des Gesprächsaustausches. Denn jeder hatte sich – immer auch auf seine ganz persönliche Weise – mit ihrem angeschnittenen Thema schon einmal auseinandergesetzt oder auseinandersetzen müssen.
Das Thema, welches Neelsi so spannend fand heute im Unterricht war „Künstliche Intelligenz im Alltag“. Wobei sie das so zum ersten Mal als neue Überschrift formuliert bekommen hatte und das gleich in der ersten Klasse.
In verschiedenen Fächern und aus unterschiedlichen Richtungen – so sah es der Lehrplan vor, sollen sie sich das weitgehend auch selbst erobern und mit Inhalten füllen.
Beginnen sollen sie damit in der eigenen und nächsten, also direkten Familie, in welcher sie täglich auch zusammenleben. Dort sollen sie nun zuerst herausfinden – als Hausaufgabe sozusagen, wie jeder in der Familie bisher damit bereits konfrontiert worden war.
Die Aufgabe bestand dann daraus, anonym, also ohne Namen – nur mit Bruder, Schwester, Mutter oder Vater und jeweils in ganzen Sätzen, die erfahrenen Sachverhalte zu beschreiben – also schriftlich festzuhalten.
Das stellt dann den Beginn zu diesem neuen Thema im Fach „Deutsch“ dar und soll dann auch als Gesprächsgrundlage für jeden weiteren Austausch – auch fächerübergreifend – herhalten. Um so über die unterschiedlichsten Erfahrungen aus anderen Familien der verschiedensten Art für alle Schülerinnen und Schüler ein möglichst breites Gesamtbild entstehen zu lassen, was es damit aktuell anno 2069 auf sich hat.
Diese Idee und das Thema findet Neelsi toll und daher fällt es ihr sehr leicht, gleich mit dem ersten Bissen im Mund damit herauszuplättern. Leider hat sie niemand verstanden, oder wüsstest du mit „zünftige Intel Lizenz im Alltag“ etwas anzufangen? Daher fallen auch die Reaktionen der Geschwister sofort entsprechend aus:
„Neelsi – kau erstmal noch zu Ende und sag dann deinen Spruch nochmal, wir haben nicht verstanden, was du von uns wissen willst!“
bringt es ihr etwas älterer und doch viel größerer Bruder Noolten gleich auf den Punkt, während Naamti fragt:

„Intel und zünftiger Alltag – was soll das für ein Thema sein?“
Neelsi beeilt sich daraufhin, ohne erneut von ihrer leckeren Stulle abzubeißen, fertig zu kauen. Gleich nach dem Schlucken und den Bissen mit einem Schluck Sprudelwasser hinunter spülen, stellt sie dann ihr Thema und die Umschreibung ihrer Hausaufgabe dazu, klar und deutlich in den Raum. Natürlich vergisst sie auch nicht den Hinweis auf die Möglichkeit, dass sie jeden einzeln in Interviews verwickeln würde, damit sie das dann besser notieren könne.
Aber vor den Interviews will sie gerne gleich mal spontan hören, was jedem dazu einfällt. Dann beißt sie erneut von ihrer Stulle ab und gibt damit den Ring für Rückmeldungen frei, in welchen ihre Mutter als Erste eintrat, mit dem Hinweis:
„Künstliche Intelligenz im Alltag und Kunst ist ein spannendes aber auch ernüchterndes Thema. Oft ist es schwierig, optisch zu differenzieren, was KI erstellt hat und was nicht. Ob es tatsächlich einen echten Menschen mit Handarbeit – analog oder digital – gab, der das aufwendig gemacht hat, oder ob das oft krasse Kunstwerk nur auf einer Befehlszeile für eine KI gegründet ist, bleibt nicht selten völlig unklar.“
Für Kattlen und ihre Kunstkurse einigermaßen beruhigend ist dabei die Tatsache, dass, wenn Menschen ehrlich damit umgehen, heute in der Kunstwelt offiziell die Regel gilt, dass KI-Produkte generell immer gekennzeichnet sein müssen, sobald sie publik gemacht werden.
Leider sind inzwischen auch KI’s online, die selbstständig Kunst produzieren und publizieren und auf diese offizielle Regel keine Rücksicht nehmen. Sie wurden bereits vor in Kraft treten dieser Regelung programmiert und jetzt weigert sie sich das selbstlernende System, das dennoch umzusetzen.


Es gibt zwar Künstler, die auch Hacker sind, und an Lösungen dazu arbeiten – schon ihr Selbsterhaltungstrieb animiert sie dazu. Das trägt schon eine gewisse Hoffnung in sich, aber der Weg ist nicht einfach, sowie sehr zeitaufwendig und mit etlichen Hürden verbunden.
Außerdem stellt sich ihnen nicht selten die Frage, „bin ich nun Künstler oder Hacker?“, weil für beides kaum die Zeit bleibt. Wo doch die KI in rasendem Tempo und auf Wunsch und Befehl alles produziert, was der Galerist oder potentielle Kunde sich wünscht – oder eben der Laie per Knopfdruck ins Netz stellt und dort verkauft.
Was zählt da eigentlich noch der Name des Künstlers oder was bedeutet da sein Portfolio überhaupt noch und inwiefern kann er mit seiner Expertise und seinem reichen Erfahrungsschatz da noch irgendwie punkten? Ist es nicht schon traurig genug, dass viele Künstler erst nach ihrem Ableben berühmt werden und vorher keine S… – sorry – nach ihnen fragte?
Nun kommt d…


Kommentare

2 Kommentare zu „32. Tierisch spannend“

  1. […] 32. Tierisch spannend 28. September 2026 […]

  2. […] ←Vorheriger: 32. Tierisch spannend […]

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