Dienstag, 09. April 2069 – nachts
[ Episode 033 “Tierisch lustig” ]
„Was? Die Überwachungskameras im Garten haben heute etwas aufgenommen? – Zeig das alles sofort her, Tapcy!“
ist Ksavvers mega erschrockene Panikreaktion, da er mit dem Wort „Überwachungskameras“ direkt in seine blühende Fantasie von seiner Heimfahrt zurück katapultiert wurde. Die ja nicht zuletzt auch daraus entstand, dass sein mit höchster Geheimhaltungsstufe gekennzeichnetes Projekt eventuell gerade entdeckt worden ist. Das Wörtchen „lustiges“ hat er wohl überhört oder konnte dem keine wesentliche Bedeutung unter der Überschrift „Überwachungskamera“ zumessen.
„Nur die Ruhe, DA Ksavver, bin schon dabei – schau einfach auf den Monitor dort – erkennst du etwas?“
Ksavver ist wohl so in oder von seiner Fantasie gebeutelt worden, dass er näher ran muss, um etwas erkennen zu können, während sich seine Agentinnen schon den Bauch halten vor Lachen, über das, was sie dort stattfinden sehen. Es war in ihrem Garten, den erkannten sie und vor nicht allzu langer Zeit, was ihnen der Zeitstempel des Clips am unteren rechten Rand verriet. Was war denn da bloß passiert?
Das Abdunklen gleicht einem Abriegeln. Auch akustisch kommt nichts durch von draußen, so dass sie bei aller Andacht und Stille nichts davon gehört hatten. Und das obwohl im Erdgeschoss die Schiebetüre noch offen stand, was aber auf der anderen Hausseite gelegen ist. Auch sie waren demnach so konzentriert auf ihre geheimnisvollen Gäste und ihren ersten gemeinsamen Fall, dass sie das, was vielleicht zu hören gewesen wäre, automatisch ausgeblendet hatten.
Ksavver, der nun nah genug davor stand, um auch etwas erkennen zu können, ist nun so dicht dran, dass seine Agentinnen sofort Einspruch erheben:
„DA Ksavver, könntest du bitte etwas zur Seite treten, wir können ja den Fall, der sich in unserem Garten zugetragen hat, gar nicht weiter verfolgen, wenn du so breit und hoch wie du bist, uns voll im Überwachungskamerabild stehst, oder willst du etwas vor uns verbergen?“
Und schon prusten sie erneut los, wie von Lachsäcken beworfen, gackern sie mal mehr schnatternd, mal mehr wiehernd alles Aufgestaute aus sich hinaus. Das war so lustig für sie, weil sie das, was sie bereits erkennen konnten einfach nicht zu fassen bekommen haben. Sie haben so etwas schlicht nicht für möglich gehalten.
Da fallen Luzzie plötzlich wieder ihre geheimnisvollen Gäste im Obergeschoss ein und sie bremst ihren Lachsackeffekt selber aus, indem sie deutlich vernehmbar – aber nicht mehr zu laut, in den Raum sagt:
„Upps, hoffentlich verstört unser Lachen unsere Sensibelchen oben nicht noch mehr!“
Auch Agentin Ka und die spitzelige Tapcy halten sich daraufhin sofort den Mund zu – den nächsten Lacher damit massiv zu unterdrücken versuchend, was ihnen auch gelingt. Da es damit deutlich ruhiger wurde, hören sie jetzt alle, dass und was ihr DA Ksavver vor sich hinmurmelt:
„Oh, das war mir nicht bewusst, das ich selber den Anstoß für Aufnahmen unserer Sicherheitsüberwachunsgkameras im Garten geben kann. Ich dachte die erkennen mich, Tapcy?“
„Das tun sie auch DA Ksavver, aber dein Verhalten – das kennen sie noch nicht – hihihi – hahaha – huhumpf!“
„Ok, verstehe. Diese legendären Aufnahmen zeugen übrigens von meiner Begeisterung über deine tadellose Arbeit im Garten. Das hat mich – wie du sehen kannst – schlicht sofort umgehauen und ausgenockt könnte man sagen. Das hast du wirklich ganz toll gemacht, Tapcy, vielen Dank – einen so schönen Rasen hatten wir noch nie!“
Wäre Tapcy ein Mensch und keine Maschine, würde ihr jetzt die Schamröte – höchstwahrscheinlich – deutlich zu Gesicht stehen, ob all diesen Lobes, dass Ksavver ihr eben ganz liebevoll um die Ohren „gehauen“ hat, was sie zu folgendem Text animiert:
„Danke, vielen Dank DA Ksavver, das erfreut meinen Kernel mega, dass dir meine Arbeit so zu Herzen geht und ich gestehe: Auch mir hat es sehr viel Spaß bereitet, den Rasen zu spitzeln. Bis auf die beiden Quieken-Momente, klar, denn da dachte ich immer kurz, mein Kernel müsste gleich neu gestartet werden.
Zu meinem Glück waren dann Agentin Ka und Lu plötzlich und wie aus dem Nichts zur Stelle – vielen Dank euch allen!
Es ist so schön bei euch zu sein und eine eigene Familie gefunden zu haben, die meine Arbeit schätzt und mich braucht und in deren Umfeld ich mich unendlich nützlich machen kann!“
Das rührt jetzt die Familienherzen allesamt an, obwohl es sie fast gleichzeitig auch verwundert. Eigentlich ist es ihnen ja unbegreiflich, dass und wie eine Maschine hier scheinbar ihre „eigenen Gefühle“ auszudrücken vermag. Geradeso – fast noch besser, als wäre sie wirklich eine echte Person. Das bekommen sie kaum hinunter geschluckt – ob sich da die Programmierer und KI-Trainer vielleicht doch etwas zu weit aus dem Fenster gelehnt hatten?
Was genau unterscheidet jetzt eine Maschine noch von einem echten Menschen? Diese Frage stellt sich ihnen konkret immer wieder neu. Testphase – genau: Sie befinden sich ja mitten in einer technischen Testphase. Wer sagt denn eigentlich, dass das alles so bleibt – vor allem, ob sie es in einem halben Jahr immer noch mit genau der gleichen Maschine – respektive der gleichen „digitalen Person“ zu tun haben werden? In dem Sinne, dass diese sich an alle Gemeinsamkeiten erinnert, wie es in einer Familie der Fall ist. Wie m…
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