Mittwoch, 10. April 2069 – mittags

[ Episode 036 “Tierische Suche” ]

Kannst du dir vorstellen, wie viele Möglichkeiten eine Katze und ein Eichhörnchen, – und junge – also sehr kleine Tierchen noch dazu – umso mehr, – haben sich in einem großen mehrstöckigen Luxusbungalow zu verschanzen? Bewusst oder unbewusst dabei mit einem Suchtrupp Verstecken zu spielen, die sie eigentlich retten und ernähren wollen, wobei sie lautlos ganz nach Belieben ihre Verstecke jederzeit unbemerkt wechseln können – wie sie gerade lustig sind?
Die Möglichkeiten scheinen mir nahezu grenzenlos und dazu unglaublich vielfältig zu sein.
Im aktuellen Fall kann der Suchtrupp aus Agentinnen mit ihrem digitalen Spitzel wohl das Obergeschoss jetzt ausschließen. Was grundsätzlich gut ist, sie aber dennoch keinen Schritt weiterbringt, auch weil noch zwei volle Geschosse an Möglichkeiten übrig sind.
Die Einfangtipps – aus Tapcys Onlinerecherche – bezogen sich weitgehend auf in der Wildnis anzuwendende Fallen, welche Zeit und Ruhe zur Herstellung brauchen, um dann zur Falle zu werden, welche die Tiere zuverlässig lebendig „festsetzen“ können.
Ausnahmslos Alle scheinen dem Suchtrupp völlig ungeeignet, um sie im eigenen Haus anzuwenden, da sie keine Löcher buddeln oder verborgene Gruben mit Netzen bestücken können. Bis sie die Tierchen mit Nahrung locken könnten, kann dauern, da sie sich wohl gerade satt gegessen hatten. Ob diese selber weitere Nahrung finden würden, kann keiner sagen, weil das Alles – ihr Haus und ihre gesamte Einrichtung – ja nicht Haustiergerecht angelegt worden war. So fehlt ihnen der Überblick, was alles darin zusätzlich noch als Nahrung dienen könnte und das Locken damit zur reinen Geduldsprobe werden würde.
Die Lage scheint ihnen verzwickt. DA Ksavver zu informieren und um Rat zu fragen, oder ihn auch gleich nach Hause zu zitieren, hatten sie natürlich bereits überlegt, kamen aber schnell zu dem Schluss, dass Paps Ksavver eher überhaupt keine praktische Hilfe sein würde. Allein seine Tierpanik würde noch eher dafür sorgen, dass er in die andere Richtung Einfluss nehmen könnte, so dass sie die Tiere nur noch … darüber wollen sie nicht nachdenken, was dann wäre, wenn diese nicht mehr wären!
Nein, für die beiden Agentinnen und ihre spitzelige Gehilfin steht fest, dass das ihre Chance ist, den Fall kompetent zu lösen. Es ist ja erst Mittag und vor dem frühen Abend rechnen sie nicht mit ihrem Chef und haben dadurch weitgehend freie Hand.
Also, worauf noch warten? Ab und ran an die Suche – Raum für Raum, Etage für Etage, das ist nun der praktische Plan, den es unbeirrt abzuarbeiten gilt. Immer noch ohne dass sie wissen, wie sie die Tierchen dann auch ganz praktisch einfangen können, wenn sie diese irgendwo entdeckt haben.
Wie würdest du an ihrer Stelle bei zwei vor ihnen liegenden Vollgeschossen vorgehen?
Die erste Idee ist nun, dass sie sich aufteilen und gegenseitig alle offenen Türen und Bereiche kommunizieren, die als mögliche Rückzugsräume und Verstecke herhalten könnten. Das Eingrenzen auf das Wesentliche kann helfen, den Überblick nicht zu verlieren.
Nach dem Ausschließenkönnen des Obergeschosses finden sie eine Etage tiefer im Erdgeschoss die Türen zum Schlafzimmer und zum Office-Bereich zu – wie gut, denkt Kattlen bei sich.
Das Gäste-WC ist auch zu und die Türe zur Garage auch – uff!
Alles andere im Erdgeschoss ist mehr oder weniger ein großer Raum, der mehrere Bereiche umfasst, wie Flur, Garderobe, Hauseingang, Küche, Esszimmer und Wohnzimmer, aber nicht weiter durch Türen eingegrenzt werden kann. In sich bietet er so viele Ecken und Nischen als potentielle Verstecke an, dass sie keine Ahnung haben, ob diese gerade genutzt werden.
Die Klimatisierung des Bungalows setzt ja voraus, dass die Fenster in der Regel geschlossen gehalten werden, damit das alles gut funktionieren kann, was ihr Glück ist. Zumindest für das Erdgeschoss wissen sie das jetzt schon. Denn sonst könnten die Tierchen ja schon längst ein offenes Fenster als Türe in die Freiheit nach draußen – nach außerhalb des Hauses genutzt haben.
Nachdem sie einmal alles im Erdgeschoss aufgeteilt durchlaufen haben und nichts entdecken konnten und alles ruhig geblieben ist, scheint es, als ob sie eine weitere Etage ausschließen können. Keine direkten Fluchtmöglichkeiten aus dem EG ins Freie und keine erkennbaren Bewegungen waren zwar noch keine absolute Sicherheit, dass nicht irgendwo doch noch ein verstecktes oder gar schlafendes kleines Lebewesen auf diesem Stockwerk wäre, aber es bedeutet nun trotzdem eine Konzentration auf die nächste darunter liegende Etage – das Untergeschoss. Die Lage dort unten, bezüglich Möglichkeiten ins Freie und Verstecke, gilt es jetzt noch systematisch auch zu überprüfen.
Kattlen – Agentin Ka, positioniert sich sicherheitshalber mit einer heißen Tasse Kaffee an der Treppe nach unten. Nur für den Fall, dass die Tierchen im Treppenhaus auftauchen sollten. Von ihrer gewählten Position aus hat sie weitgehend alles in allen Richtungen im Blick.
Luzzie macht sich mit Tapcy derweil als Agentenduo jetzt auf den Weg nach unten ins Untergeschoss. Das Hinuntergehen fühlt sich an, als ob der Druck in Form der eigenen inneren Anspannung ansteigt – so kommt es Luzzie zumindest vor. Bei jedem Schritt auf eine tiefere Stufe, hebt sich dieser Anspannungspegel in ihr um eine Stufe höher.
Im Untergeschoss angelangt, stehen sie beide – unter Hochspannung nun – im Treppenhausflur und sehen sich um. Luzzie überlegt fieberhaft, sich in Katze oder Eichhörnchen hineinzudenken versuchend, nachzuspüren, was sie als ein solches Tierchen jetzt für eine Richtung eingeschlagen hätte. Was nicht einfach ist, denn alle Bereiche stehen offen. Der direkte Weg gegenüber geradezu würde im Fitnessraum mit seinen diversen Kraft- oder Ausdauer-Trainingsgeräten enden.
Als Raum ist dieser Bereich jetzt nicht riesig und direkt unter dem Hauseingang, und dem Beginn der Garderobe sowie noch einem kleinen Küchenanteil, gelegen. Was nur zu erkennen ist, wenn man sich die Hauspläne über- oder nebeneinander legen würde.
Aber als Versteck wäre der Raum ideal. Zwischen Hanteln, Bänken, Geräten und bei nur kleinerem Oberlicht – unterhalb des Hauseingangs befindlich und daher von außen etwas verschattet – ist dieser Raum ohne aktivierte Beleuchtung relativ dunkel. Und so wohl ein möglicher solcher Versteckort – mit höherer Wahrscheinlichkeit sogar.
Der Bungalow ist jetzt seit Kurzem mit der brandneuen Sicherheitstechnik von MOSH und dabei weitgehend mit ganz neuen Bewegungsmeldern auch für die automatische Lichtsteuerung ausgestattet worden. Der Fitnessraum ist offen und liegt dunkel vor ihnen. Was bedeuten würde, die Tierchen haben sich länger nicht mehr darin bewegt oder sie haben sich so bewegt, dass der Bewegungsmelder sie nicht erfassen konnte und es daher dunkel blieb.
Genaueres wissen sie nicht.


Tapcy soll als Spitzel einfach im Flur stehen bleiben, daher gibt Agentin Lu ihr leise per Handzeichen den Hinweis, dass sie in den Fitnessraum allein reingeht, um die Lage dort zu checken. Tapcy nickt ihr per doppeltem Augenaufschlag zu und macht das Handzeichen für „exzellent“ dazu, während sie einfach vor sich hinschwebt – auf der Stelle – war dir klar – stimmts? – und so ihre Spitzelposition direkt schon einnimmt.
Luzzie tritt der Türe mit einigen leisen agentenhaften Schritten näher auf den Leib. Mit zwei weiteren Schritten steht sie schon hinter der Türschwelle und damit im Raum selber. Ihre Körpergröße scheint auszureichen. Der Bewegungsmelder hat sie sofort erfasst und das Licht flutet auf.
Tapcy, auf Spitzelposition im Treppenflur, hält den Atem an – äh – also ist komplett mit allen Sensoren auf das Geschehen vor ihr und um sie herum fixiert. Was die LEDs ihres Körpers mit pulsierendem Verlauf in erhöhter Frequenz untermalen, aller…


Kommentare

2 Kommentare zu „36. Tierische Suche“

  1. […] 36. Tierische Suche 10. Oktober 2026 […]

  2. […] ←Vorheriger: 36. Tierische Suche […]

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