Mittwoch, 10. April 2069 – vormittags

[ Episode 035 “Tierischer Trugschluss” ]

Müdigkeit und Tapcy kennen sich ja – wie bereits erwähnt – nicht. Also muss die technische Maschine Tapcy – außer einer Wartung und dem Austausch möglicher Verschleißteile – keine Einschränkungen oder Ruhezeiten beachten.
Lediglich ihre rechtzeitige Ladung braucht sie, um nicht einfach stehen zu bleiben, also auszugehen. Genau wie bei einem Handy, welches du nicht rechtzeitig unterwegs an deine Powerbank angeschlossen oder zu Hause mit deiner Steckdose verbunden hast ( natürlich immer die richtigen Kabel oder Adapter vorausgesetzt, sonst kann daraus nichts werden), so ist das bei Tapcy auch. Wenn die rechtzeitige Ladung ausbleibt, geht dein Handy einfach aus und ohne Strom bekommst du es auch nie wieder an!
Meist wird sogar der Reststrom – kurz bevor es einfach ausgeht – noch zum ordentlichen Herunterfahren genutzt, um Schäden am System oder auch den Verlust von Daten zu vermeiden – was ja sehr gut ist!
Das ist bei Tapcy unter dem Strich genauso.
Im Ksavver-Home ist sie gerade mit ihren ToDos nach dem Frühstück beschäftigt und recherchiert nebenher soweit es geht, die Aufträge von Ksavver, ihrem DA, zu den Tieren und deren Besonderheiten wie Pflege, Nahrung, Unterbringung, tiergerechte Haltung im Haushalt und vieles drum herum mehr für sie persönlich und „beruflich“ oder „dienstlich“, um als spitzelige Agentin richtig im Bild zu sein und einfach genau Bescheid zu wissen.
Als sie die Küchensachen erledigt hat, stehen Reinigung und Ordnung vieler Zimmer und Bereiche auf ihrer Liste oder in ihrem heutigen Kalender. Zu tun gibt es demnach genug und fleißig wie immer, hat sie keine Mühe, alles – eins nach dem anderen natürlich nur – in ihrem Tempo abzuarbeiten.
Tapcy selber macht ja keinerlei Geräusche – egal wie eilig sie es hat und solange sie nichts dabei sagt!
Sie kann sich daher unmerklich nähern oder entfernen, wenn sie das möchte. Was so nicht zutrifft, wenn sie haushaltsnahe Arbeiten erledigt, die in sich selbst Geräusche erzeugen. Zum Beispiel weil bestimmte Materialien dabei im Einsatz sind und diese ihren eigenen Klang einfach mit sich bringen.
Richtige „Klangwelten“ können so entstehen, durch die unterschiedlichen Arten der Berührung mit unterschiedlichen Materialien. Vorbeistreifen mit einem Messer zum Beispiel an bestimmten anderen Materialien wie Holz, Eisen, Chrom, Plastik, Gummi, Stoff oder anderen. Das Auftreffen dieser Materialien erzeugt hingegen einen ganz anderen Klang. Und wahrscheinlich hast du es längst erraten, dass deiner Fantasie da keine Grenzen gesetzt werden können, solange du es spannend findest und deinen Spaß daran hast, dadurch Beats oder Grooves zu erzeugen, die einen moven lassen und zu Herzen gehen!
Äh – zurück zu Tapcy und ihren Geräuschen und Sounds im Bereich einer digitalen – eigentlich ganz stillen, Haushaltshelferin.
Das Geschirr ein- oder ausräumen aus dem Schrank oder der Spülmaschine ist ein klassisches Beispiel für Klänge oder Sounds im Haushalt, die man mit der Zeit kennt und genau unterscheiden kann. Sicher fallen dir dazu unzählige andere Klänge, Sounds oder Geräusche ein, die du wahrnimmst und ohne hinschauen zu müssen, genau weißt, was hier gerade dabei passiert.
Schon krass oder?
So irre wie es klingt: Auch eine KI im Haushalt muss dafür ja eine Datenbank haben und diese auch aktiv pflegen, über welche sie Geräuschmuster vergleichen, zuordnen und gegebenenfalls dann auch richtig darauf reagieren kann.
Tapcy muss also ihre eigenen Geräusche mit den Materialien, mit welchen sie hantiert, aufnehmen und automatisch vergleichen und abgleichen – samt allen Variationen, um das selber erlernen zu können.
All das läuft ja auch bei uns Menschen ab, ohne dass wir dafür eine Datenbank bräuchten. Wir haben das organisch einfach alles eingebaut bekommen – das besondere bei uns ist, dass das direkt immer für alle unsere Sinne und die Kombinationen daraus gleichzeitig funktioniert.
Wenn dir ein Glas oder Teller runterfällt und du einen Fliesenboden hast, speicherst du diesen Sound sofort ab, wetten? Auch bewahrt dich die Erinnerung daran und die Vorstellung, dass es wieder passieren könnte, davor, damit oder dabei unvorsichtig zu sein in der Zukunft!
Bestimmte Geräusche oder Gerüche lassen sofort komplexe Situationen ( wie Filme vor unserem inneren Auge oder darüber hinaus mit allen Gefühlen und Stimmungen dazu ) erscheinen und ablaufen.
Was unglaublich krass ist – oder?
Tapcy nimmt aktuell also Geräusche im Haus wahr, die sie schon mal zuvor gehört, also wahrgenommen, hat. Es scheint zumindest eine bereits abgespeicherte Ähnlichkeit zu geben, der sie das zuordnen kann. Mit der Folge daraus, dass sie nicht sofort hin muss, um zu prüfen, was das für ein Geräusch ist. Sollte es noch immer stattfinden – also akustisch weiter wahrzunehmen – und damit auch für sie zu orten und zu lokalisieren – sein, wäre das sonst ihre dringend anstehende Vorgehensweise.
Ein Geräusch allein irgendwo aufnehmen würde ja nichts bringen, wenn es nicht mit einer Handlung, einem Gegenstand, einer Person oder sonstigen Umständen und bestimmten Situationen verknüpft oder verbunden werden kann. Daher ist Tapcy „gezwungen“ – also so programmiert worden, dass sie jede Arbeit sofort unterbrechen muss, wenn sie ein neues Geräusch wahrnimmt, welches sie noch nicht einordnen kann. Das gebietet schon allein die Sicherheitsklausel von MOSH, sobald es in ihrem direkten Umfeld auftritt!


Das just eben wiederholt wahrgenommene Geräusch kennt Tapcy schon von letzter Nacht. Denn es entstand, als die geheimnisvollen Gäste – sich im Kreis drehend – Aktionen in ihren Käfigen machten. Daher reagiert Tapcy darauf nicht und macht ihre ToDos einfach zuverlässig und ohne Irritationen weiter.
Irgendwann beschließt Tapcy dann doch mal einfach ganz vorsichtig nach den beiden Tieren in ihren Käfigen zu schauen.
Der ideale Zeitpunkt dafür scheint für sie dann gekommen zu sein, als sie eine Arbeit im Haushalt beendet hat. Sie zieht dabei – als frisch in der Recherche zu den Tieren steckende und selbstständig lernende KI – auch in Betracht, dass die Nahrung oder das Trinken ausgegangen sein könnte. Sie müsste das dann ja unbedingt wieder auffüllen, um die Sicherheit und das Wohlergehen der Tiere weiterhin gewährleisten zu können.
Dass sie automatisch auch dafür zuständig sein muss, lag schon deshalb für sie auf der Hand, da außer ihr ja niemand son…


Kommentare

2 Kommentare zu „35. Tierischer Trugschluss“

  1. […] 35. Tierischer Trugschluss 7. Oktober 2026 […]

  2. […] ←Vorheriger: 35. Tierischer Trugschluss […]

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