Mittwoch, 10. April 2069 – abends
[ Episode 038 “Tierische Entscheidung” ]
Der Tag bei Nachbars hinter dem Zaun, welche von all dem zuvor im Ksavver-Home stattgefundenen und hier detaillierter beschriebenen, meist tierischen Begebenheiten und Abläufen, rein gar nichts mitbekommen haben, verlief wie immer.
Immer?
Dem „neuen“ Immer!
Das neue Immer ist das, dass Knuud wie aus der Leitung gebannt scheint, weil ihn seit neustem nichts mehr in seiner Dauerbereitschaft herausfordert.
Die große, bereits erwähnte Funkstille, die er sich beim besten Willen nicht erklären kann, macht ihn schläfrig und zunehmend unruhiger.
Wie erwähnt, ist es jetzt insgesamt ein sehr angespannter Zustand, den Knuud mit viel Lesen und Verschlafen verträumt, bis abends seine Bande zu Hause aufschlägt. So wie eben, und er, hellwach plötzlich, sich mega freut wieder Abwechslung zu haben und doch auch gebraucht zu werden.
Irgendwie tut ihm das schon gut – ja, das gibt er gerne zu.
Gemeinsames Abendessen und Spielen im Anschluss ist jetzt im Hause Knuud angesagt, was bei regem Austausch und Erzählen und dem Teilhaben lassen an vielen verschiedenen Dingen aus ihren jeweiligen Tagesabläufen, stattfindet.
Das brauchen alle – jeden Tag – und genießen es auch sichtlich, auf diese Weise ihr Mitteilungsbedürfnis gegenseitig befriedigt zu bekommen. Immens wichtig ist, dass jeder es lernt, seine Zeit dabei zu nutzen und sich selber auch zu begrenzen. Es liegt auf der Hand, wenn alle gleichzeitig reden – hört keiner mehr zu und das ist sicher nicht Sinn der Sache und führt dann nur zu Frust! Daher geht es am besten immer nur nacheinander. Wenn der Rede- und Mitteilungsdrang mal sehr groß ist, hilft praktisch auch mal eine Sanduhr, die Zeitgrenze einzuhalten, damit reihum und gleichmäßig verteilt, alle zum Zug kommen.
Heute achten sie zusätzlich alle mit darauf, dass der leidenschaftliche Spielanteil nicht in noch eine späte neue Runde ausartet. Sie haben heute alle gemerkt, dass das Unausgeschlafensein für jeden im Alltag nur zusätzlichen Stress bedeutet, auf den sie gerne verzichten wollen!
Wenn sie daher gemeinsam den Spielanteil begrenzen, verpasst ja auch niemand etwas. So fällt es ihnen allen leichter, sich gemeinsam Grenzen zu setzen, die für alle gleich gelten.
Die älteren Kids, die etwas später zu Bett gehen dürfen, lesen dann noch etwas oder beschäftigen sich ruhig für sich selbst, meist ganz ohne irgendwelche digitalen Medien. Manchmal suchen sie den Talk mit ihren Eltern, wenn sich mal schulisch oder auch sonst etwas aufgestaut hat. Das hilft ihnen ungemein, einen Rückhalt in der Familie zu haben und sich über Dinge gezielter auszutauschen. Besonders gut ist das, wenn es nicht nur zu Oberflächlichem passiert, sondern auch mit den Herzen bewegenden Dingen zu tun hat, die letztlich am stärksten prägend auf das Gemüt, die Stimmung, die Lebensqualität und die jeweilige Persönlichkeit und Identität direkt einwirken.
Irgendwann während ihrem Zusammensein bei gemeinsamen Aktivitäten am Abend, bevor noch jemand zu Bett ging, schlägt bei Nachbars Ksavver, der DA, des ihm noch unbekannten heutigen Suchtrupps, in Echtzeit auf. Wovon Knuuds Familie keinen Windzug spürt, da sie mit sich selbst beschäftigt und für sich selber gerade überaus und analog dazu – glücklich sind!
Ob eine künstliche und persönliche Intelligenz, wenn sie dann mal hoffähig und zum Kassenschlager avanciert ist, zu dieser Idylle wie bei Knuuds eben beschrieben oder anderswo in Familien beiträgt oder diese gar völlig auflöst, kann nur die Zukunft selber zeigen.
Die Familie von Knuud jedenfalls, vielleicht weil sie auch anno 2069 weiterhin als Großfamilie gelten, haben – bisher zumindest und allem äußeren Anschein nach auch – ihren persönlichen und gemeinsamen Umgang mit der digitalen Welt gefunden und gut im Griff, weil sie auch versuchen, gegenseitig aufeinander acht zu geben – im guten Sinne und nicht als Spitzel à la DDR!
Ob der Anschein trügt?
Wenn ja, wäre das nicht so leicht zu erkennen.
Ksavvers in Echtzeit @Home Aufschlagen kann ich mir erzähltechnisch sparen, da ich nur eine Wiederholung hier niederschreiben könnte. Denn die Familie, als frisch gebackene Agentur mit spitzeliger Gehilfin in höchst digitaler Form, hat alle Spuren im Haus, welche möglicherweise DA Ksavver auf einen Suchtrupp oder Ähnliches hinweisen könnten, beseitigt.
Auch sind alle ToDos von Tapcy ordnungsgemäß abgearbeitet. Sogar das Abendessen steht jetzt schon dampfend und lecker auf dem Tisch. Heute mal nicht auf der Küchentheke, sondern noch gemütlicher und als erstes Agenturessen deklariert, im Esszimmer, dem offenen Bereich im Erdgeschoss, auf dem wunderbar dekorierten Familien-Esstisch. Das letzte Sonntags-Dinner für drei dort, war noch exklusiver – allein von der Dekoration und dem gesamten Ambiente her gestaltet worden von Tapcy. Aber gemütlich und einladend war es jetzt allemal und für das ungeübteste Auge, so, in jedem Fall auch schon.
Dort sitzen alle wartend auf ihn, hungr…
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