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Freitag, 12. April 2069 – kurz nach Mitternacht

[ Episode 041 “Tierischer Lebenstraum” ]

Ksavver sitzt schweißgebadet und aufrecht in seinem Bett und hat Mühe – äußerste Mühe, richtig Luft zu bekommen.
Es ist, als will ihm etwas wollig-weiches den Hals zudrücken. Wenn er versucht Luft einzuatmen, ist es, als ob er nur Haare schluckt und kein bisschen Sauerstoff dabei ist. Sauerstoff, den er zum Weiterleben jetzt so dringend bräuchte.
Solche und ähnliche Gedanken fluten plötzlich sein Gehirn und wirken sich direkt auf seine Gefühle aus.
Da wird ihm zusätzlich noch ganz schwarz vor Augen und er kippt nach hinten auf sein Kopfkissen zurück, wobei er röchelnd doch Luft – mit Sauerstoff – eingezogen bekommt.
Im nächsten Moment ist schon wieder Ruhe im Elternschlafzimmer von Kattlen und Ksavver.
Kattlen dreht sich ihrem Mann im Halbschlaf zu.
War da etwas?
Irgendetwas scheint sie geweckt zu haben.
„Ksavver?“
nuschelt sie halblaut fragend in Richtung ihres Mannes.
Alles ist ruhig.
„Hm – schläft!“
murmelt sie – nach kurzem Lauschen – vor sich hin und schon dreht sie sich wieder um, damit sie schnell in ihre eigene Traumwelt zurückkehren kann.
Nachts passieren ja spannende Dinge. Manches Mal ist es auch nicht klar, ob es nur ein Traum war oder ob das ein reales Erlebnis war, geht dir das auch so?
In der Fiktion ist das nicht anders als im wahren Leben. Denn für die, welche früh schlafen gehen, haben Schlafforscher herausgefunden, findet dann – wohl nur deutlich noch vor Mitternacht! – der überaus wichtige Prozess der Übertragung der Daten vom Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis statt. Das hat den Vorteil, dass wieder Platz im Kurzzeitgedächtnis ist. Wir haben damit nach dem Erwachen wieder Raum, Neues zu erleben und das für uns auch jederzeit abrufbar abspeichern zu können.
Ohne diesen Prozess hätten wir sonst einfach keine Kapazitäten mehr dafür.
Merken können wir uns daher dann auch fast nichts mehr.
Das finde ich sehr spannend. Auch in Bezug auf Tapcy und ihren bereits erwähnten Speicherbedarf auf den Servern im Ksavver-Home. Das nur hier mal ganz am Rande. Mehr dazu notiere ich mal im Knuud & Ksavver Blog unter „Wissen“.
Die Familie mit Ksavver und ihrer digitalen Gehilfin sitzt am neuen Morgen gemeinsam am Frühstück. Jetzt wieder an der Küchentheke und sie genießen. Sie genießen das, was sie seit Neuestem immer genießen: Ein oberleckeres, gesundes und wohltuendes Frühstück – ohne Stress und Hektik, weil die überaus praktische und schlaue Tapcy das alles wunderbar im Griff hat und sie sich nur noch an den fertig gedeckten und vollständig gerichteten Tisch setzen und losgenießen müssen – wow – wow – wow – wer hätte sich das denn je träumen lassen?
Ksavver nippt genießerisch – oder doch mehr nachdenklich – an seiner riesigen Tasse und dem heißen Kaffee darin. Kattlen schaut ihn fragend an – immer wieder. Während sie sich um ihr nächstes Brötchen kümmert und dazwischen immer mal auch an ihrer eigenen Tasse nippt, freut sich Luzzie, also Agentin Lu, und gibt lautstark bekannt:
„Ich freue mich so auf heute Nachmittag und auf das dann beginnende Wochenende, wenn wir diese neue tierische Testphase praktisch angehen und die süßen Kleinen integrieren werden. Das wird so cool! Wirst schon sehen Paps, das haut dich aus den Socken!“
Das befürchtet Ksavver insgeheim auch, dass ihn das noch aus den Socken schießt. Aber warum nur, fragt er sich – nicht zuletzt ist das auch der Grund, warum er auf Kattlen gerade so nachdenklich wirkt. Agentin Lu’s Vorfreude wirkt bei ihm da möglicherweise verstärkend – aber in negativer Weise.
Woher kommt diese tierische Panik, die sich da immer in ihm aufbaut. Irgendwie mag er die Tierchen doch, findet sie auch fast süß, aber … da, schon wieder treten ihm die Schweißperlen auf die Stirn. Im selben Moment treffen sich seine Blicke mit denen seiner Frau und sie fragt besorgt:
„Ksavver, was ist los? Geht es dir nicht gut? Du schwitzt so!“
„Alles gut, Kattlen, das ist sicher nur der heiße Kaffee!“
„Wenn du meinst!“
versucht Kattlen sich damit mehr selbst zu beruhigen, wobei sie ihren Mann und dessen Mimik genauer zu mustern versucht. Irgendetwas stimmt doch nicht mit ihm. Seit Knuuds Versicherung – gestern Abend, dass das mit den Haustierchen und diese jetzt mit in die Testphase zu integrieren, einfach nur super und überhaupt kein Problem sein würde, ist es irgendwie ganz still um ihren Mann geworden.
Da sie abends dann mit dem Verzehr der Leckereien – aufgrund ihrer Sättigung – tatsächlich durch waren und Knuud seine Familie nicht länger warten lassen wollte, wenn es sonst nichts weiter zu klären gäbe, wollte er schnellstens nach Hause rüber und verabschiedete sich dann bald.
Ksavver selber ging dann mit dem Hinweis, dass er einen vollen Tag hinter sich hat, sehr früh schlafen. An die kurze Szene nach Mitternacht konnte sich Kattlen überhaupt nicht mehr erinnern am Morgen, weil sie so in ihrem eigenen Traumding versunken war, in das sie schnellstmöglich zurück wollte und somit das mit Ksavver nicht wirklich erlebt hatte – im Halbschlaf. So wurde das nie Thema zwischen ihnen.
Selbst Ksavver wusste nicht, ob es im Traum war oder ob es ihm wirklich passiert und echtes Erleben war letzte Nacht. Es war ja mitten in der Nacht und beim Frühstück war davon nur die Nachdenklichkeit mit den frisch auftretenden Schweißperlen noch übrig geblieben. Also nichts worüber er ein Gespräch von sich aus begonnen hätte.
Luzzie, Kattlen und Tapcy – nachdem Letztere abends die Küche fertig hatte, saßen noch plauschend und träumend beieinander im Wohnzimmer. Bis ihnen doch die Augen fast zufielen und sie daher – deutlich vor Mitternacht noch – beschlossen, lieber jetzt auch in ihre Betten zu gehen.
Tapcy recherchierte noch im Lademodus und schwebte in der Gästeküche oben lautlos vor sich hin. Die Tierchen ließen sich nicht von ihr stören und schliefen auch tief und fest. Nachdem Luzzie sie noch zuvor mit allem, was nötig war, versorgt hatte.
„Wann kommst du denn heute von deinen ‚außer Haus Verpflichtungen‘ heim, Paps?“
will Agentin Lu plötzlich – jetzt wieder an der Frühstückstheke – wissen.
„Damit wir das praktische Planen, der Tierchenintegration in die Testphase, zusammen angehen können und nicht unnötig Zeit verlieren, bis Tapcy ihr Zertifikat als digitale Haushaltshelferin bekommt, was dir doch so wichtig ist DA Ksavver?“
„Paps?“
„DA Ksavver?“
Da keine Reaktion von Ksavver kommt, der jetzt in Gedanken und völlig abwesend zu sein scheint, wiederholt Agentin Lu die Anrede an ihren Vater mehrmals.


„Was? Was hast du gesagt, Liebes?“
reagiert ihr Dad dann endlich doch noch, wobei er ihr einen Blick zuwirft, der pures Mitleid in Luzzie aufsteigen lässt. So neben der Spur und abwesend – ja fast apathisch – wirkt ihr Dad da auf sie, so kennt sie ihn gar nicht. Was ihr etwas Angst einflößt und sie dazu veranlasst, beruhigend auf ihren Dad einzureden, ohne, dass sie ihr Sorge ganz verbergen kann:
„Lass mal – Paps. Wir können das sicher in Ruhe angehen, wenn du heute Abend zu Hause bist.“
„Ok, das stimmt. Dann sprichst du mich einfach an und wir sehen weiter, wie ich dir helfen kann, ja?“
Ksavver scheint von ihrer Sorge keine Notiz genommen oder es perfekt überspielt zu haben. Luzzie wirft daher jetzt ihrer Mutter einen leicht verstörten Blick zu und antwortet ihrem Dad abschließend:
„Klar, Paps, so machen wird das dann – vielen Dank!“
Jetzt sind es Ksavvers andere digitale Helfer – also nicht Tapcy, welche ihn an sein Losgehen-…


Kommentare

Ein Kommentar zu „41. Tierischer Lebenstraum“

  1. […] 41. Tierischer Lebenstraum 19. Oktober 2026 […]

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