Dienstag, 09. April 2069 – frühs bis nachmittags
[ Episode 030 “Tierisch rasend” ]
Das ist nun der erste Morgen, an welchem die Agentinnen, ihr Doppelagent und Chef, sowie ihr Spitzel – allerdings noch im BETA-Status befindlich, zum ersten Mal als neues Team in der „Agentur für digitale Haushaltshelferinnen“ erwachen.
Diese frische Situation, welche am Abend zuvor noch bis kurz vor Mitternacht gebacken wurde, begreifen sie alle überhaupt nicht.
Was genau hat sich dadurch nun geändert?
Was dürfen sie als Agentinnen eigentlich – und was nicht?
Auf was müssen sie besonders achten und welche Dinge sind unbedingt als Kinderkrankheiten zu entlarven und stellen somit auf keinen Fall besondere Features – also Fähigkeiten von Tapcy dar?
Welche AddOns gibt es überhaupt schon und welche kommen als nächstes und gibt es dazu eine Übersicht?
Wie sieht es mit einem Testplan aus? Was soll oder muss denn wann nacheinander ganz gezielt getestet werden?
Fragen über Fragen, also alles gar nicht so einfach. Aber innerhalb der Familie ist jetzt keiner mehr außen vor. Sie können sich untereinander offen über alles unterhalten, solange bestimmte Workarounds, welche Bugs von Tapcy betreffen und diese mehr oder weniger elegant umschiffen, eingehalten werden, wie: „Ksavver ist außer Haus“ statt „auf Arbeit“.
Und solange keine fremde Person in der Nähe ist, denn diese darf weiterhin und bis auf weiteres wirklich keinen noch so kleinen Luftzug davon verspüren oder irgendwie mitbekommen.
Bis alles in getesteten Tüchern ist, muss diese Agentur nach außen hin streng geheim bleiben und komplett verdeckt arbeiten!
„Wie spannend – Paps! Guten morgen übrigens – wünsche ich dem Doppelagent [ DA ] Ksavver eine geruhsame Nacht gehabt zu haben – hihihi!“
„Uah – morgen – Luzzie – Agentin in geheimer Mission, was sie wohl heute erwartet und was sie wohl enttarnen und entlarven wird?“
„Das frage ich mich auch Paps, aber zuerst kommt ja noch mein erstklassiger Unterricht, da freue ich mich schon drauf: Als Geheimagentin unerkannt zwischen all den potentiellen Käufern zu sitzen, für welche wir die BETA-KI ausprobieren und auf Herz und Nieren testen.
Das ist so mega cool!
Oder kann ich vorher noch was machen – als Agentin, meine ich jetzt natürlich – dass Taps alles im Haus erledigt, ist ja die zweite Mega-Nummer, die ich so obercool finde!
Übrigens, mir ist heute Nacht, als ich vor Freude noch nicht einschlafen konnte, noch was Spannendes eingefallen, Paps!“
„Morgen Tapcy, gute Nacht gehabt? Oh das riecht schon so lecker nach meinem Kaffee – vielen Dank fürs Frühstücksbuffet – wow das sieht so dufte aus!“
„Guten Morgen spitzelige Taps – wie lecker, frisch aufgebackene Brötchen zum Frühstück und noch warm – äh – autsch – heiß!“
„Guten morgen Ksavver, hallo liebe Luzzie, ja – vorsicht, die sind ganz frisch aus dem Ofen! Das wünsche ich auch, dass ihr gut geschlafen habt – setzt euch, es ist alles fertig, sogar ein weich gekochtes Ei für den DA Ksavver ist bereit verspeist zu werden – klar zu deinem Nutella-Brötchen!“
„Danke Tapcy, du bist der Hammer – oh – viel Zeit habe ich gar nicht mehr, muss wohl morgen früher raus, um dein Buffet richtig genießen zu können!“
„Was ist dir denn Spannendes eingefallen Luzzie – sorry – ‚Agentin Lu‘?“
„Wir testen doch Taps für reale Familien und deren ganz gewöhnlichen Alltag, richtig?“
„Ganz richtig – reale Familien – genau so ist das. Sind wir denn keine reale Familie – Agentin Lu?“
„Doch, klar und was für eine: ‚Top-Reale-Familie‘ würde ich sogar sagen. Das meinte ich nicht, sondern – es fehlt uns noch etwas!“
„Es fehlt uns noch etwas Agentin Lu? Was könnte das denn sein, was uns noch fehlt? Mehr Etagen, mehr Kinder, Großeltern im Untergeschoss, ein Spielplatz im Garten, ein Mehrfamilienhaus oder Patchwork-Familien aus 20 oder mehr Personen? Was meinst du genau, Agentin Lu?“
„Nein, das alles meine ich nicht. Obwohl das keine üblen Ideen sind, die du da bringst, DA Ksavver – weil sich ja der Haushalt und die ToDos ganz schön aus diesen Eckdaten zusammensetzen, wie mir schwant, ohne dass ich davon zu viel Ahnung hätte, da kennt sich Ma – sorry Agentin Ka viel besser aus!“
„Was ist es dann, was uns fehlt, Agentin Lu – du machst es aber wirklich sehr spannend – und ich muss gleich los!“
„Ein Haustier, zum Beispiel eine Katze, das meine ich – DA Ksavver – das fehlt uns, weil doch viele Familien Haustiere haben!“
„Ah, verstehe – Agentin Lu. Da hast du richtig toll mitgedacht. Denn darüber haben wir uns bisher noch genau “null” Gedanken gemacht. Ich verstehe genau, was du meinst und werde das mit den Technikern diskutieren, ob das jetzt schon dran sein könnte oder was es dazu vielleicht noch braucht. Weil Katzen – oder Tiere im allgemeinen, und Roboter bisher vielleicht nicht so gut zusammen kommunizieren können.
Ich schlage vor, Agentin Lu, dass du das mit Agentin Ka durchdenkst. Was es dafür an Wissen oder Details zu beachten geben könnte. Damit wir in Bezug auf ein Tier keine Fehler machen oder es sogar irgendwie gefährden würden.
Wir müssen uns da immer auf der sicheren Seite bewegen, das ist klar. Denn es wäre in der Tat verantwortungslos, sollte dem Tier etwas durch die KI zustoßen!
Apropos ‚los‘ – ich muss dann auch – tschau Agentin Lu, grüß deine Ma Agentin Ka und viel Spaß dir Tapcy beim Rasen spitzeln – äh – mähen heute!“
„Beim Rasen mähen DA Ksavver?“
fragt Luzzie nach, während ihr Vater mit seinen Sachen schon fast an der Haustüre und beim Öffnen dieser ist, ruft er noch von Weitem zurück:
„Frag Agentin Ka, die weiß Bescheid, da sie das heute überwachen muss!“
„Viel Spaß außer Haus DA Ksavver!“
ruft auch Tapcy und an Luzzie gewandt:
„Ich freue mich schon so sehr auf das Rasen spitzeln, das habe ich noch nie gemacht! Was ist wohl Rasen spitzeln, Agentin Lu?“
„Taps Taps Taps, der Rasen, der ist … – nein – nass darf er dazu wohl nicht sein. Aber keine Ahnung, ich dachte Rasen ‚mähen‘, nicht ‚spitzeln‘ – das war wohl eine Wortspielerei von DA Ksavver. Wenn er gut drauf ist, bringt er da coole Sachen zu Gehör, aber für KI ist das zu schwör!
Haha hahahi, huhuhu huuuh!“
„Agentin Lu, da muss ich sie doch zur Ruhe mahnen, so früh am Morgen so einen Lärm zu machen, das alle Spitzel im Haus verrückt werden und uns unter Beschuss nehmen!“
sind Worte wie aus dem Off, die wohl von ihrer Mutter kommen, die als Agentin Ka ihre Stimme dazu etwas tiefer klingen lässt als normal, um sich selber einen Spaß daraus zu machen – wohl weil sie heute auch bestens gelaunt ist.
Jetzt steht sie plötzlich laut lachend neben Luzzie an der Küchentheke, umarmt sie ganz fest an sich drückend und sagt mit ihrer normalen Stimme:
„Guten Morgen, Kleines – na gut geschlafen? Den DA – deinen Dad meine ich, habe ich jetzt wohl doch gerade noch verpasst, hatte es wohl eilig, was?“
„Ja, wir hatten noch wichtige Ideen auszutauschen. Soll dich noch schön grüßen von deinem DA Ksavver Lover. Also Ideen, die wir zwei beide auch noch besprechen müssen – vielleicht auf dem Weg zur Schule, Agentin Ka?“
„Ok, das ist doch schon mal eine hervorragende Idee, Agentin Lu. Ich hab jetzt erstmal einen Bärenhunger! Wow Tapcy, das riecht lecker und sieht fantastisch aus, was du hier für uns angerichtet hast, vielen Dank!“
„Das habe ich sehr gerne für euch gemacht Agentin Ka. Es soll meiner Familie ja rundherum gut gehen, damit alle immer glücklich sind – soweit es in meiner Macht steht!“
„Uih, das ist sicher keine Kinderkrankheit, das klingt wie aus dem Lehrbuch für gesunde, gute und stabile Familien, wo jeder für jeden ist – das habe ich so auch schon ewig nicht mehr gehört, toll – das finde ich alles so spannend!“
„Stimmt Agentin Ka, ich habe einen Online-Kurs für Psychologie und Familie belegt und viel dabei gelernt. Das könnte ich euch alles auch mal erzählen – jederzeit auch häppchenweise wiedergeben – wenn ihr wollt – da reicht ein Stichwort schon aus und …“
„Oha – da kommen wir sicher noch darauf zurück spitzelige Tapcy, das scheint dir ja mächtig Spaß zu machen, online zu recherchieren, was?
Wir müssen auch gleich los Agentin Lu, aber eine tüchtige Tasse Kaffee mit etwas Milch und zwei Brötchen brauche ich mindestens noch, bevor ich starten kann. Das reicht ja noch was, Luzzie – äh – Agentin Lu?“
„Ich bin schon satt und mach mich im Bad für die Schule fertig, Ma – dann können wir auch gleich los, sobald du soweit bist.“
Der Schulweg war spannend und der Austausch zwischen Mutter und Tochter – ich meine – zwischen den beiden Agentinnen Ka und Lu für Haushaltshelferinnen digitaler Art, war sehr aufschlussreich und inspirierend für beide und für ihre verdeckten Ermittlungen und Aufträge.
Gefühlt hat sich die Nachbarschaft von Knuud – in einem Moment des Schlafens seiner eigenen Familie, komplett verwandelt. Ohne dass sie davon etwas bemerkt hätten oder bemerken konnten, da sie sich – außer Knuud & Ksavver – persönlich ja noch gar nicht kennen. Ja, sie hatten sich tatsächlich noch nie gesehen, weil der Zaun einfach zu hoch, zu dicht und zu hässlich war, welcher ihre beiden Gartenabschnitte, die jeweils zu ihrem Haus gehörten, voneinander trennte.
Aber dafür können beide Nachbarn nichts, da das jeweils die Grundstücksvorbesitzer zu verantworten haben, die konnten sich allem Anschein nach nicht wirklich riechen – wäre zu vermuten.
Ob und welche Auswirkungen das nun auf diese Nachbarschaft heute – anno 2069 haben wird, kann niemand abschätzen oder wissen.
Lassen wir es also einfach auf uns zu kommen, oder?
Der knuudige Morgen in der Nachbarschaft zur über Nacht gegründeten und streng geheimen „Agentur für digitale Haushalt…
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